Bindung oder Bildung?

Bildung ist ein Thema, dass uns ständig in den Medien begegnet. Immer wieder wird erwähnt wie wichtig es ist frühe Bildungsangebote zu machen.

Man kann beobachten, wie junge Eltern schon sehr früh versuchen ihren Kindern den bestmöglichen Start ins Leben zu ermöglichen. So sind Kurse wie Babyschwimmen, PEKIP-Gruppen, Babymassagen, und musikalische Früherziehung nur ein kleiner Teil des Angebots, das man mit den Kleinsten wahrnehmen kann.

Doch die Frage ist: Brauchen sie das wirklich? Was ist wichtig, damit ein Kind den bestmöglichen Start ins Leben erhält?

Bei dem ganzen Medienrummel um Bildung und frühestmögliche Förderung wird die Bindung meist ausgelassen. Dabei scheint dieser Punkt eine sehr prägende Rolle in der Entwicklung der Allerkleinsten zu sein. Neueste Hirnforschungen haben gezeigt, dass eine liebevolle Zuwendung von Seiten der Eltern, oder einer anderen wichtigen Bezugsperson entscheidend sind für die Entwicklung von neuen Nervenzellen im Gehirn und deren Vernetzung.

Vom letzten Drittel der Schwangerschaft bis zum dritten Lebensjahr verdoppelt sich das Gehirn. Dabei kann das Baby anfangs seine Gefühle noch nicht richtig einordnen. Es spürt ein Unwohlsein und drückt das über weinen und schreien aus. Aber welches Gefühl dahinter steckt, weiß es noch nicht. Darum ist es wichtig, dass Eltern diese Gefühle liebevoll spiegeln.

Ein Beispiel: Das Baby verliert beim Spielen seinen Ball und kann ihn noch nicht holen, weil es noch nicht laufen oder krabbeln kann. Es möchte aber weiter seinen Ball haben und fängt an zu quengeln. Die Mutter sieht das und meldet ihm zurück: „Bist du verärgert, weil dir dein Ball davon gerollt ist?“ Sie hebt ihn auf und gibt dem Kind den Ball zurück. Oder das Kind hat Hunger. Die Mutter nimmt es auf und sagt dabei:“ Die kleine Mia hat Hunger, da müssen wir aber gleich dafür sorgen, dass sie etwas zu essen bekommt.“ Kinder können in diesem Alter noch nicht zwischen Ärger und Hunger differenzieren. Sie sind auf die liebevolle Spiegelung der Eltern angewiesen, um Gefühle zu lernen. Sind die Eltern den Kindern zugewandt, können sie sich frei entfalten und neue Nervenzellen bilden sich. Je öfter ein Kind diese liebevolle Zuwendung erfährt, umso fester sind diese Nervenbahnen ausgebildet und prägen sich für das weitere Leben unauslöschlich ein. Man kann sich das Vorstellen wie Trampelpfade, je öfter man einen Weg läuft, umso fester wird er ausgetreten und irgendwann ist er so heruntergelaufen, dass kein Gras mehr darauf wächst.

Bei vernachlässigten Kindern, oder bei Babys mit kranken Müttern, die ihr Kind nicht ausreichend versorgen können, wird dagegen vermehrt Cortison, das Stresshormon, ausgeschüttet. Dieses wiederum greift die Nervenzellen an. Kommt es wiederholt zu diesen Stresssituationen, werden die Nervenzellen zerstört und diese Kinder haben oft einen niedrigeren Intelligenzquozienten.

Hier zeigt sich, dass liebevolle Hinwendung zum Baby und Kleinkind in den ersten drei Lebensjahren sehr wichtig sind.

Also, wenn wir diese Tatsachen berücksichtigen, was ist dann wichtiger in der frühkindlichen Erziehung? Bindung oder Bildung?

Bildung ist in jeder Hinsicht wichtig, aber wir dürfen dabei den wichtigen Aspekt der Bindung nicht unterschätzen.

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